Schulportrait der Volksschule Aigen

Als am 19. September 1886 die „feierliche Eröffnung des neuerbauten Schulhauses“ am heutigen Standort in der Reinholdgasse stattfand, regierte Kaiser Franz – Joseph einen Vielvölkerstaat.

 

Heute tummeln sich Kinder aus 15 verschiedenen Herkunftsstaaten in der großen Pause im neu gestalteten Schulhof.

Von den insgesamt 226 SchülerInnen der Schule haben rund 15 % eine andere Muttersprache als Deutsch.

Kinder kommen aus Bosnien oder aus Ungarn, aus Syrien oder Nepal, aus der Türkei oder vom Vereinigten Königreich.Immer mehr Kinder kommen auch aus unserem unmittelbarem Nachbarland Deutschland.

 

Wichtig im Zusammenleben aller Kinder ist uns grundsätzlich ein rücksichtsvoller und wertschätzender Umgang miteinander; natürlich treten aber auch dann und wann Konflikte auf.

 

Gemäß dem Motto „Oppilaan Hüvinvointi“ (frei übersetzt aus dem Finnischen: „Dem Kind soll es gut gehen. Ein Kind, dem es schlecht geht, kann nicht gut lernen.“ ) ist es unser Ziel, dass sich alle Kinder in einer positiven Atmosphäre, in einer freundlichen Schule, gut entwickeln können.

 

Die SchülerInnen werden im heurigen Schuljahr in 11 Klassen

unterrichtet.

 

Dazu kommt die Vorschulgruppe, in der momentan 9 Kinder betreut und ihren Bedürfnissen entsprechend gefördert werden.

 

20 Lehrerinnen haben an der VS Aigen ihre Stammschule; dazu kommen die Lehrerinnen für evangelische, islamische und buddhistische Religion sowie die Sprachheil- und die Beratungslehrerin.

 

Mit den vier ErzieherInnen am Nachmittag sowie dem Personal des Magistrats sind derzeit mehr als 30 Personen am Standort tätig.

 

Die Anfänge des „Schule haltens“ gehen in Aigen auf das Jahr 1635 zurück (Schulhaus war in diesem Zeitraum unter anderem auch das Doktorschlößl in der Glaser Straße).

Viele Lehrer der Anfangszeit waren oft gleichzeitig als Mesner oder Kirchenorganisten tätig, um ihr kärgliches Einkommen aufzubessern.

Nicht so gern gesehen war hingegen das „Aufspielen in Wirtshäusern“, das um 1795 dem erst neunzehnjährigen „Schulhalter“ Johann Schmidt immer wieder Schwierigkeiten mit der Obrigkeit einbrachte.

 

Es dauerte schließlich bis zum Jahr 1892, bis erstmals eine Lehrerin,

Frl. Zulehner, ihren Dienst in Aigen antrat.

 

Sie konnte bereits im neuen Schulhaus – „aus Stein gebaut und mit einem guten Dach versehen“ – unterrichten.

 

Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, ist dieses Schulgebäude im vergangenen Jahrhundert zweimal ( 1972 und 1992

– aus Beton und mit einem Flachdach versehen … ) durch Zubauten erweitert worden.

 

Beide Bauwerke wurden von der Stadtgemeinde Salzburg ausgeführt, da mit 1. Jänner 1939 „der Großteil der Gemeinde Aigen, darunter auch die Schule und der Schulsprengel – mit Ausnahme von Glasenbach – dem Gemeindegebiet der Stadt Salzburg angegliedert worden ist.

 

Im Jahr 2011 wurde schließlich ein Teil des Schulhauses aufgestockt. Die neu geschaffenen Räume stehen für die Nachmittagsbetreuung zur Verfügung, die seit dem Jahr 1996 an unserer Schule angeboten wird.

 

Heuer sind dafür mehr fast 140 Kinder angemeldet, die Zahl der Anmeldungen ist von Jahr zu Jahr kontinuierlich steigend.

 

Kerntätigkeit jeder Schule ist das Unterrichten.

 

Selbstverständlich geht es um das Erlernen der Grundfertigkeiten sowie der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen.

 

Sehr wichtig ist für uns aber auch ein kompentenzorientiertes Lernen.

 

Dazu läuft an der VS Aigen bereits seit dem Schuljahr 2003/04 das Projekt „Unterrichtsentwicklung – Eigenverantwortliches Arbeiten“.

 

Basierend auf dem Konzept „Haus des Lernens“ von Dr. Heinz Klippert hat das Team der Schule als schulinterne Fortbildung Methoden-, Team- und Kommunikationstrainings durchgeführt.

 

Der Fokus ist dabei immer auf die Kinder gerichtet; sie sollen zu eigenverantwortlichem Arbeiten und zu selbsttätigem Lernen in offenen Arbeitsphasen angeregt werden.

 

Bemerkenswert und erfreulich ist, wie konstruktiv und zielgerichtet oft bereits Kinder der Grundstufe 1 mit neu geübten Methoden des Wissenserwerbs umgehen können.

 

Ein wichtiger Aspekt ist hier auch, dass die SchülerInnen ihr Lernverhalten und ihre eigene Leistung besser reflektieren können; die Leistungsbeurteilung wird für sie dadurch transparenter.

 

Inhaltlich haben 4 Klassen die Sprachintensivierung Englisch als Schwerpunkt, in 4 weiteren Klassen wird ein musisch – kreativer Schwerpunkt angeboten.

 

In den Englisch-Klassen werden 3 Stunden pro Woche auf Englisch gehalten; zum Teil von der Englisch- und der Klassenlehrerin im Team.

 

In den musisch-kreativen Klassen wird in einer zusätzlichen Stunde pro Woche vertiefend im bildnerischen oder musikalischen Bereich gearbeitet.

 

Lesungen, Theaterbesuche und verschiedenste Workshops runden das vielfältige Programm ab.

 

Viele Inhalte werden in Form von Projekten oder im projektorientierten Unterricht erarbeitet. Dabei wirken oft auch StudentInnen der Pädagogischen Akademie mit, die einen Teil ihrer schulpraktischen Ausbildung an der VS Aigen absolvieren.

 

Besonderen Anklang finden insbesondere auch Naturprojekte

( zB. „Naturbeobachtungen“ oder „Stein auf Stein“ ), die im nahe gelegenen Aigner Park statt finden.

 

Klassen- und schulstufenübergreifende Projekte ( zB. „Aigen im Wandel der Zeiten“, "Salzburg 2016" ), Lesepartnerschaften zwischen Erst- und Viertklasslern oder auch der Einsatz von Schülern der 4. Klasse als „Pausenhelfer“ in der großen Pause unterstreichen das Motto „Gemeinsam in einer freundlichen Schule zusammenleben“.

 

Zwei Jahre lang war die VS Aigen auch Projektschule für

„Bewegte Schule – Gesunde Schule“ ( in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis für Vorsorgemedizin – AVOS ).

 

Seit heuer ist das Thema "Gesundheit" ein Schulschwerpunkt. Dieser Bereich wird sehr umfassend gesehen: Bewegung, Ernährung, Lebenskompetenzen, Lehrerinnengesundheit, Schulhausgestaltung etc.

 

Partner ist hier ebenfalls der Arbeitskreis für Vorsorgemedizin, der hier mit rund 20 weiteren Institutionen kooperiert.

 

Bewegung im Schulalltag ist – nicht nur in den wenigen Stunden Bewegung und Sport - sehr wichtig und notwendig.

 

Die meisten unserer Kinder absolvieren ihren ( bis zu 2 km langen ) Schulweg zu Fuß.

Beim Heimweg von der Schule kann es da schon einmal vorkommen, dass die Kinder die vielen Anregungen, die zB. der Weg entlang des Aigner Friedhofs bietet, reichlich ausnutzen und unter Umständen erst nach eineinhalb oder zwei Stunden Fußmarsch Zuhause eintreffen ...

 

Eine Besonderheit in Aigen ist, dass Eltern als SchulwegpolizistInnen ( derzeit mehr als 50 ! ) tätig sind und die Zebrastreifen in Schulnähe sichern.

 

Bemerkenswert ist auch, dass vom Magistrat in Schulnähe ( aber nicht bei der Schule ! ) schom vor mehr als 10 Jahren eine „Kiss&Go“- Ausstiegstelle für Kinder, die mit dem Auto gebracht oder abgeholt werden, eingerichtet wurde.

 

Das "Kutschieren" der Kinder bis zur Schultüre ist hingegen nicht erwünscht !

 

In der schulischen Erziehungsarbeit werden den Kindern Grundwerte im sozialen Bereich vermittelt.

 

Verstärkt wird das Gemeinschaftliche durch verschiedene gemeinsame Feste im Turnsaal ( Frühlingsfest, Herbstfest, Adventfeiern ). Sehr beliebt ist bei den Kindern auch der Schulfasching am Faschingdienstag.

 

Dem Prinzip der Bewegten Schule folgend findet jährlich ein Schullauf statt.

Für diesen sportlichen und sozialen Höhepunkt trainieren die Kinder ab dem Frühjahr fleißig. Freilich sind hier das das Mittun und die Begegnungen wichtiger als die (Höchst-)leistung.

 

Natürlich ist auch das alljährliche Schulfest - veranstaltet vom Elternverein - bei Jung und Alt sehr beliebt.

 

Eine Schule ist auch ein Spiegelbild des Stadtteils, in dem sie sich befindet. Hier ist für mich die Positionierung als Schule für alle Aigner Kinder und die Vernetzung und Zusammenarbeit mit den Institutionen im Stadtteil

( Kindergärten, Bewohnerservice, Pfarrbücherei, Diakonie etc. ) sehr wichtig.

 

Vieles wäre auch nicht möglich ohne die stete Unterstützung des rührigen Elternvereins unserer Schule !

 

Schule entwickelt sich auch – entsprechend den gesellschaftlichen Entwicklungen – immer weiter. Hier gilt es, Bewährtes zu erhalten, aber auch, dem Neuen seinen Platz zu geben !

 

Abschließen möchte ich mit einem Satz von Antoine de Saint Exupery:

„Die Zukunft soll man nicht vorhersehen, sondern möglich machen.

 

VD Eberl Friedrich 2007 / überarbeitet 2012 / bearbeitet 2017

        

* alle Zitate aus Schulchronik